Maïs lignées consanguines

Die Forschungsanstalt Reckenholz nahm in den 1940er-Jahren die Maiszüchtung auf. 

Bei der Hybridzüchtung werden zwei zunächst unterschiedliche Elternlinien über längere Zeit unter Inzuchtbedingungen gezüchtet. Erst für die Produktion des Verkaufssaatguts werden beide Linien gekreuzt. Daraus erhält man Nachkommen mit den gewünschten Eigenschaften, obwohl die Elternlinien aufgrund der Inzucht degeneriert sein können. Dieser so genannte Heterosiseffekt stellt sich allerdings nur in der ersten Generation ein. In den folgenden Generationen spalten sich die genetischen Merkmale wieder auf, sodass die Pflanzen zu Saatzwecken für die Produzenten viel an Wert verlieren. 

Maiszüchtung 
Auf Wunsch der Versuchsanstalten nahmen die Saatzuchtgenossenschaften St. Gallen und Tessin  sowie die Association Suisse des Sélectionneurs Anfang der 195oer-Jahre die Saatgutproduktion von Hybridmais auf. Mit der zunehmenden Bedeutung des Anbaus von Körner- und Silomais erhielt auch die Mais-Saatgutproduktion mehr Aufmerksamkeit. Die von Zürich-Oerlikon gezüchtete Sorte Orla 266 verdrängte Mitte der 1950er-Jahre die bisher noch angebauten amerikanischen Hybridsorten. 

(aus züchten säen ernten, Peter Moser, 2003)

Maiszüchtung
Um 1930 setzt in der Schweiz die Maiszüchtung ein. 1934 veröffentlichen Wagner und Wahlen ihre ersten Untersuchungsergebnisse:

Zunächst ging es bei der Maiszüchtung um eine Verbesserung der Körnermaissorten, diese wurden aber auch als Silo- und Futtermais angebaut. Die ersten Ergebnisse heben die besseren Leistungen der einheimischen Sorten vor. Nochmals Wagner und Wahlen: 
„Gestützt auf diese Versuchsergebnisse können für das schweizerische Mittelland in erster Linie die einheimischen Mais-Provenienzen zum Anbau als Silomais empfohlen werden. Die massenwüchsige Sorte L e a m i n g und der B o s n i s c h e Mais können trotz hoher Erträge infolge ihrer Spätreife, des geringen Kolbenanteils und des dadurch bedingten hohen Wassergehaltes, sowie wegen der offenbar nicht genügenden Standfestigkeit nicht empfohlen werden. 
Der B a d i s c h e und der E l s ä s s e r Mais genügen im Ertrage nicht.
Unter den einheimischen Sorten haben sich der N o s t r a n o und der L i n t h m a i s in unseren Versuchen am besten gehalten. Diese beiden Provenienzen, wie auch der R h e i n t a l e r-Mais versprechen als Ausgangsmaterial zu züchterischer Verbesserung gute Resultate. Dies ist natürlich eine Arbeit auf lange Sicht. Vorderhand ist deshalb der Saatgutgewinnung aus den Landsorten im Tessin, im Linthtal und im Rheintal Aufmerksamkeit zu schenken.“ 

Die Maiszüchtung trägt bald Früchte. Um 1950 wird im Rheintal ein verbesserter Rheintaler Mais angebaut. Ernst Oehler (1950): „Bei Mais […] wird im Rheintal eine alte Lokalsorte mit gelbweissen Körnern, Rheintaler Mais, gebaut, die von Oerlikon27 züchterisch bearbeitet worden ist. Am Alpensüdfuss, im Tessin und Puschlav dagegen werden vorwiegend italienische Sorten wie Nostrano dell’Isola, Marano oder Caragua angebaut.“

Die ersten Hybridkreuzungsversuche mit Mais wurden 1946 in Oerlikon durchgeführt. 1955 wurde die erste schweizerische Sorte Orla 266 in das Richtsortiment des Saatzuchtverbandes aufgenommen. Die Grundlage des Zuchtprogramms bildeten ein Genpool mit Hartmais (flint) und ein Genpool mit Zahnmais (dent).

Aus Beitrag zur Geschichte der Kulturpflanzen, Mais, Peer Schilperoord, 2012.

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